Methodik · Kriterien, Skala, Zyklus
Eine Bewertung, die nur vor dem Audit entsteht, bewertet nichts.
Der häufigste Fehler ist nicht das fehlende Schema, sondern das zu komplizierte. Zwanzig Kriterien mit Gewichtung werden im ersten Jahr gepflegt und danach nie wieder.
Eine Lieferantenbewertung misst, wie gut ein Anbieter die vereinbarten Anforderungen erfüllt. Üblich sind vier Dimensionen: Qualität, Termintreue, Zusammenarbeit und Kosten – ergänzt um Compliance-Kriterien wie gültige Zertifikate oder beantwortete Selbstauskünfte.
Entscheidend ist weniger die Feinheit als die Wiederholbarkeit. Ein Schema mit fünf Kriterien, das jedes Jahr auf alle angewendet wird, ist im Audit deutlich mehr wert als ein ausgefeiltes Modell, das zweimal benutzt wurde.
Was eine Bewertung tragfähig macht
- Kriterien, die vor der Bewertung festgelegt wurden und nicht danach.
- Eine Skala, deren Stufen beschrieben sind – „3" heisst nicht bei jedem dasselbe.
- Daten, die ohnehin anfallen: Reklamationen, Verzüge, Vorfälle.
- Ein Zyklus je Kritikalitätsklasse statt eines Termins für alle.
- Eine Konsequenz: Was passiert bei einer schlechten Bewertung tatsächlich?
Der Aufbau in fünf Schritten
- Klassifizieren
- Lieferanten nach Kritikalität einteilen – die Klasse bestimmt Tiefe und Rhythmus.
- Kriterien festlegen
- Wenige, messbare Kriterien mit beschriebener Skala.
- Daten sammeln
- Aus dem laufenden Betrieb, nicht aus der Erinnerung kurz vor dem Termin.
- Bewerten
- In festen Zyklen, mit Vier-Augen-Prinzip bei kritischen Lieferanten.
- Handeln
- Ergebnis kommunizieren, Massnahmen vereinbaren, Wirksamkeit prüfen.
Wie SCRM das abbildet
Schema je Klasse
Einmal definiert, danach automatisch der richtigen Gruppe zugewiesen.
Laufende Datensammlung
Reklamationen und Vorfälle fliessen in die Bewertung, statt separat zu leben.
Fälligkeit statt Erinnerung
Der Zyklus erzeugt eine Aufgabe mit Namen und Datum.
Verlauf sichtbar
Die Entwicklung über Jahre – genau das fragt der Auditor.
Häufige Fragen
Wie viele Kriterien sind sinnvoll?
Vier bis sechs für die meisten Betriebe. Mehr erhöht den Aufwand, ohne die Entscheidung zu verbessern – und senkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Bewertung überhaupt stattfindet.
Muss man das Ergebnis dem Lieferanten mitteilen?
Vorgeschrieben ist es nicht immer, sinnvoll fast immer. Eine Bewertung, die niemand erfährt, ändert nichts.
Was tun bei Lieferanten mit wenigen Bestellungen?
Eine vereinfachte Bewertung im längeren Zyklus reicht. Wichtig ist, dass die Abstufung festgelegt und begründet ist.