ESG im Einkauf · ISO 20400 als Leitfaden
Nachhaltigkeitskriterien wirken erst, wenn sie den Zuschlag verändern.
In vielen Unternehmen steht Nachhaltigkeit in der Beschaffungsrichtlinie und in keiner einzigen Vergabeentscheidung. Der Unterschied liegt in messbaren Kriterien und verfügbaren Daten.
Nachhaltige Beschaffung bedeutet, ökologische und soziale Wirkungen in Auswahl und Bewertung von Lieferanten einzubeziehen. Der internationale Leitfaden ISO 20400 beschreibt, wie das organisatorisch verankert wird – er ist eine Orientierungshilfe und nicht zertifizierbar.
Der praktische Engpass ist selten die Überzeugung, sondern die Datenlage. Ein Kriterium, für das keine belastbaren Angaben vorliegen, wird im Vergabegespräch weggelassen. Deshalb beginnt nachhaltige Beschaffung mit der Frage, welche Angaben man von Lieferanten überhaupt regelmässig bekommt.
Woran es in der Praxis scheitert
- Kriterien, die sich nicht in Zahlen ausdrücken lassen und deshalb nicht gewichtet werden.
- Angaben, die einmal im Ausschreibungsverfahren erhoben und danach nie aktualisiert werden.
- Nachhaltigkeit als Ausschlusskriterium formuliert, das niemand anzuwenden wagt.
- Fehlende Zuständigkeit: Der Einkauf entscheidet, die Nachhaltigkeitsstelle wird informiert.
Was in der Praxis funktioniert
- Wenige Kriterien
- Drei bis fünf, die abgefragt und belegt werden können – nicht zwanzig aus einem Rahmenwerk.
- Gewichtung
- Ein Kriterium ohne Gewicht im Vergabeentscheid ist eine Absichtserklärung.
- Datenquelle je Kriterium
- Vorab festlegen, woher die Angabe kommt und wie sie geprüft wird.
- Zyklus
- Angaben altern; ohne Wiedervorlage steht in zwei Jahren Unsinn im System.
- Konsequenz
- Was passiert bei schlechten Werten – Gespräch, Auflage, Ausschluss.
Wie SCRM das abbildet
Kriterien im Bewertungsschema
Nachhaltigkeit als reguläre Dimension neben Qualität und Termintreue.
Angaben mit Herkunft
Selbstauskunft, Zertifikat oder Prüfbericht – der Unterschied wird mitgeführt.
Wiedervorlage
Fällige Aktualisierungen erscheinen als Aufgabe statt zu veralten.
Auswertung
Anteil bewerteter Lieferanten und Entwicklung über die Jahre – die Zahlen, die im Bericht gebraucht werden.
Häufige Fragen
Muss man ISO 20400 anwenden?
Es ist ein Leitfaden, keine Anforderungsnorm – eine Zertifizierung gibt es nicht. Als Struktur für den Aufbau ist er nützlich, verpflichtend ist er nirgends.
Womit fängt man an?
Mit den Angaben, die ohnehin abgefragt werden: Zertifikate, Standorte, Warengruppen. Daraus lässt sich ein erstes Kriterium bilden, ohne einen neuen Fragebogen zu verschicken.
Wie hängt das mit der Berichterstattung zusammen?
Eng. Wer für CSRD oder die Schweizer Klimaberichterstattung Zahlen braucht, erhebt dieselben Angaben – nur zu einem anderen Zweck.